Die Sterne und der Zufall – Norbert Zähringer: Bis zum Ende der Welt

Gerhard Laska ist schwerkrank und sucht über eine Partnerschaftsagentur nach einer Frau, die ihn in den letzten Wochen oder Monaten seines Lebens begleitet. Um mehr gehe es ihm nicht, so sagt er, er wolle bloß Gesellschaft, und zwar in Portugal, wo er viele Urlaube verbracht hat, früher, in einem anderen Leben. Seine Frau ist lange tot, zu seinem Sohn hat er keinen Kontakt mehr.

So trifft er auf Anna, eine junge ukrainische Studentin, die bei der Partnervermittlung als Hobby angegeben hat, dass sie sich für Astronomie interessiere – die Bedingung, die Laska an seine Begleitung stellt. Anna ist misstrauisch, nicht nur hat sie einige Horrorgeschichten gehört von Frauen, die an alte, widerliche Kerle gerieten, sie hat auch selbst schon einige Erfahrungen gemacht, und zwar einerseits mit Männern an sich, die an ihr stets vor allem ein körperliches Interesse hatten. Andererseits ist sie aber auch von ihrem gewalttätigen Vater und seinen übergriffigen Freunden geflohen, die auf der Suche nach ihr sind und nichts Gutes mit ihr vorhaben, als sie in Berlin Laska kennenlernt.

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Krise – Gunther Geltinger: Benzin

Vinz und Alexander sind schon ca. 20 Jahre ein Paar. Alexander ist Biologe, mit sicherem Job und geregeltem Einkommen, Vinz ist Schriftsteller und sucht nach Inspiration für seinen dritten Roman. Die ersten beiden Romane hatten sie beide und ihre Beziehung zum Thema, es ist das eigene persönliche Leben, das Vinz mehr oder weniger fiktionalisiert verarbeitet. Alles, was zwischen ihnen passiert, wird von ihm wie automatisch daraufhin überprüft, wie es in seine Geschichte passt, wie er die jeweilige Szene abwandeln wird – oft ist das fiktionale Ergebnis sehr nah an der Wirklichkeit.

Vinz und Alexander machen Urlaub in Südafrika. Sie wollen es ganz anders angehen als das befreundete Paar Bernd und Alf, das einen perfekt durchorganisierten Urlaub auf dem Kontinent verbracht hat. Vinz und Alexander wollen sich treiben lassen, sie wollen wirklich etwas von Land und Leuten erfahren, eintauchen in das wirkliche Leben dort. Das andere Paar ist für sie seit jeher Konkurrenz, in allen Bereichen des Lebens und vor allem in Bezug auf ihre Beziehung.

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Bleiben, kämpfen oder gehen – Miriam Toews: Die Aussprache

48 Stunden. 48 Stunden haben die acht Frauen Zeit, die in Miriam Toews‘ Roman „Die Aussprache“ im Mittelpunkt stehen. In diesen 48 Stunden sind sie allein in der mennonitischen Gemeinde, in der sie leben, und das ist ungewöhnlich. Es ist eine Gemeinde, in der sehr patriarchale Strukturen herrschen, in der sie keine Stimme haben, in der absoluter Gehorsam von ihnen verlangt wird. Die Männer sind in der Stadt, denn einige von ihnen wurden der Vergewaltigung angeklagt. Nachts haben sie die eigenen Frauen, Schwestern und Kinder betäubt, gefesselt und vergewaltigt. Zunächst einmal wurde den Frauen nicht geglaubt, vielmehr tat man es ab, als sie davon berichteten, geblutet zu haben, Spuren von Fesseln an Hand- und Fußgelenken zu haben. Morgens wachten sie ohne Erinnerung an das, was nachts geschehen war, auf. Sie seien vermutlich von Dämonen besessen, von Gott bestraft worden für unreine Gedanken, so sagte man ihnen. Bis irgendwann zwei der Vergewaltiger auf frischer Tat ertappt wurden. Auch dann noch wollte man die Geschehnisse am liebsten unter den Teppich kehren, doch eine der Frauen ging schließlich voller Wut und Hass auf einen der Angreifer los, die Polizei wurde eingeschaltet. Nun sind die beschuldigten Männer in Haft, und die anderen Männer sind losgezogen, um für sie die Kaution zu hinterlegen.

Wenn sie wiederkommen, müssen die Frauen eine Entscheidung getroffen haben: Sollen sie bleiben, kämpfen oder gehen? Wenn man liest, was den Frauen und Mädchen widerfahren ist, stellt sich natürlich unwillkürlich die Frage, was es da zu überlegen gibt. „Geht weg, so schnell und so weit ihr könnt!“ will man den Frauen zurufen. Doch so einfach ist das nicht. Und 48 Stunden sind eine kurze Zeit, um über die eigene Zukunft (und die seiner Kinder) zu entscheiden.

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#Indiebookday 2019

Heute ist wieder Indiebookday. In letzter Zeit sind die unabhängigen, kleinen Verlage wieder einmal näher in mein Bewusstsein gerückt, nicht zuletzt, weil ich auf der Buchmesse einige interessante Entdeckungen gemacht habe, aber auch, weil es mich gerade besonders reizt, abseits des literarischen „Mainstream“ zu lesen. Hier einige Bücher, die schon bereitliegen und die ich hier in den nächsten Wochen besprechen möchte.

Ich habe einmal sehr gern Lyrik gelesen und bin davon, warum auch immer, ganz abgekommen. Zeit, das zu ändern! Der Band „Gedichte erinnern eine Stimme“ von Sigurdur Pálsson erschien im Elif Verlag. Schon die Aufmachung ist wunderschön. Pálsson verfasste diese Gedichte kurz vor seinem Tod, sie beschäftigen sich mit Leben und Tod, mit den Elementen Erde, Feuer, Wasser und Luft. Die Ausgabe ist zweisprachig, links befindet sich jeweils das isländische Original, rechts die Übersetzung von Jón Thor Gíslason und Wolfgang Schiffer.

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Das einfache Leben – Kent Haruf: Abendrot

Vor etwas mehr als einem Jahr las und besprach ich Kent Harufs Roman „Lied der Weite“, einen von insgesamt sechs Romanen des Autors, die angesiedelt sind in der fiktiven Kleinstadt Holt in Colorado. Kent Haruf starb 2014. Von seinen Romanen hat der Diogenes Verlag nunmehr drei neu herausgebracht.

Bei erneuter Lektüre meiner Besprechung vom Januar 2018 stellte ich fest, dass alles, was ich damals zu „Lied der Weite“ schrieb, genauso auf „Abendrot“ zutrifft. Ich hätte es mir einfach machen und die Rezension zu großen Teilen kopieren können. Ist der spätere Roman also kein Abklatsch? Fällt er gegenüber dem Vorgänger nicht ab? Keinesfalls.

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