Der Kreis schließt sich – Elena Ferrante: Die Geschichte des verlorenen Kindes

Mit diesem vierten Teil, der den besorgniserregend-bedeutungsschwangeren Titel „Die Geschichte des verlorenen Kindes“ trägt, schließt Elena Ferrante ihre inzwischen schon berühmt gewordene Neapolitanische Saga um die beiden Freundinnen Elena und Lila ab und findet für ihre Geschichte einen äußerst stimmigen Abschluss.

Der dritte Teil endete damit, dass Elena ihren Ehemann Pietro und somit ein gesichertes, gutbürgerliches Leben verließ, um mit ihrer Jugendliebe Nino zusammenzuleben. Sie bringt damit nicht nur ihren Mann und seine Familie gegen sich auf, auch Lila sagt ihr deutlich, was sie von Elenas Plan hält und versucht sie davon zu überzeugen, dass sie auf Nino nicht wird zählen können, aber Elena ist so verliebt, dass sie all den Stress, den Streit und auch die Konflikte mit ihren Töchtern Dede und Elsa auf sich nimmt und schließlich zurück nach Neapel zieht, wo sie hofft, mit Nino glücklich zu werden, obwohl die Zeichen eigentlich dagegen sprechen.

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The Wife of Martin Guerre – Janet Lewis: Die Frau, die liebte

„Die Frau des Martin Guerre“ – hätte man den Titel dieses als Roman beworbenen Buches, das eigentlich eher eine Novelle von gerade einmal 136 Seiten ist, wörtlich übersetzt, vermutlich hätte man der Geschichte damit einen Gefallen getan. Auch die äußere Aufmachung, das zarte Türkis und die Blumen auf dem Buchumschlag – ich bin nicht sicher, ob man damit beim potenziellen Käufer die richtige, die passende Schlussfolgerung auslöst. „Die Frau, die liebte“, ist kein Liebes-, kein Frauenroman, keine mehr oder weniger simple Liebesgeschichte mit den üblichen Problemen plus garantiertem Happy End. „Die Frau, die liebte“ erschien erstmals im Jahr 1941 und wurde nun erstmals ins Deutsche übersetzt.

Die amerikanische Autorin Janet Lewis, die von 1899 bis 1998 lebte und die meiste Zeit ihres Lebens in Kalifornien verbrachte, beschäftigt sich hier mit einem wahren Kriminalfall aus dem 16. Jahrhundert in Frankreich. Damals verschwand der junge Martin Guerre spurlos und ließ Frau, Kind und die anderen Familienmitglieder auf seinem Gut zurück. Erst acht Jahre später kehrt er zurück, nimmt sein altes Leben wieder auf und alles könnte sich zum Guten fügen, wären da nicht die Zweifel seiner Ehefrau Bertrande. Langsam wird sie misstrauisch, irgendetwas ist anders an ihrem Mann, er ist ihr fremd, kann es sein, dass er gar nicht Martin Guerre ist? Letztlich kommt es zu einem Gerichtsverfahren, das die Frage klären soll, ob der Heimgekehrte der echte Martin Guerre oder ein Hochstapler ist.

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Coming of Age im christlich-konservativen Amerika – Brit Bennett: Die Mütter

„Die Mütter“ also. Die Mütter von wem? Was eine Mutter als solche definiert, nämlich ihr Kind oder ihre Kinder, das ist hier zunächst einmal zweitrangig. Die Mütter sind eine Art Kollektiv, das nicht näher in die einzelnen Persönlichkeiten aufgeschlüsselt wird, und ihre Kinder sind alle Bewohner des kleinen kalifornischen Ortes Oceanside. Es ist ein Ort, in dem die Zeit langsamer zu vergehen scheint. Man vergisst während der Lektüre zuweilen, dass wir uns in der Gegenwart befinden, so sehr herrschen hier alte, fast archaische Regeln. Es ist eine Kirchengemeinde, in der die geschilderten Ereignisse sich zutragen. Und es sind die Mütter, die alten Frauen der Gemeinde, die stets genau alles beobachten, was passiert, die es ganz selbstverständlich bewerten, die sich das Maul zerreißen über das, was für sie nicht weniger als ein Skandal ist.

Die Mütter sind es, die oftmals zu Beginn eines neuen Kapitels im Debütroman der amerikanischen Autorin Brit Bennett in einer Art des choralen Erzählens zusammenfassen, was am jeweiligen Punkt der Geschichte gerade passiert ist, sie erzählen aus einer Perspektive der Allwissenheit und aus zeitlicher Entfernung heraus, denn die Ereignisse liegen immer dann, wenn sie sich zu Wort melden, längst in der Vergangenheit. Und sie kommentieren stets sehr pointiert, manchmal bissig und ohne Umschweife.

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Mitten im Leben – Mira Magén: Zuversicht

Zuversicht ist eigentlich nicht das, was einem zu diesem Roman einfällt. Nava hat ihren Mann und ihren Sohn durch einen Autounfall verloren, und ihr Blick in die Zukunft ist alles andere als zuversichtlich. Ihre Reaktion auf den Schlag, der ihr Leben in ein Davor und ein Danach geteilt hat, ist eine der Resignation: Sie gibt ihren Beruf als Innenarchitektin auf, um in einem Supermarkt an der Kasse zu arbeiten. Und sie verlässt ihre Wohnung, in der immer noch alles an glückliche Jahre erinnert und zieht in ein Seniorenheim. Hier, glaubt sie, ist sie unter ihresgleichen: Menschen, die wie sie nichts mehr vom Leben erwarten, die es im Großen und Ganzen hinter sich haben.

Nur dass die Alten das anders sehen und damit auch nicht hinterm Berg halten. Was will die junge Frau unter ihnen? Immer wieder begegnet Nava im Laufe der Geschichte Menschen, innerhalb und außerhalb ihres neuen Zuhauses, die ihr klarmachen, dass sie sich eben nicht am gleichen Punkt befindet wie jene, die doppelt so alt sind wie sie. Dass das Leben durchaus noch etwas für sie bereit hält, wenn sie sich nicht vor ihm verschließt. Nava nimmt die anderen schulterzuckend zur Kenntnis und macht weiter wie bisher.

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Aufregende Schlichtheit zum zweiten – Haruki Murakami: Die Ermordung des Commendatore Band 2: Eine Metapher wandelt sich

Wie schreibt man eine Besprechung zum zweiten Teil einer Geschichte? Seitdem ich die Lektüre von Haruki Murakamis „Die Ermordung des Commendatore. Eine Metapher wandelt sich“ beendet habe, überlege ich, was ich zu diesem Roman schreiben kann und soll. Leser, die den ersten Teil noch nicht kennen, werden zwangsläufig gespoilert, wenn man auch nur wenige Angaben zum Inhalt macht, und da es sich meiner Meinung nach nicht wirklich um eine zweigeteilte Geschichte handelt, sondern um ein großes Werk, das eben in zwei Teilen veröffentlicht wurde, lässt sich der Rezension zu Teil 1 wenig hinzufügen. Höchstens, wie es dem Autor gelingt, seine Geschichte zu einem schlüssigen Ende zu führen, aber auch hier: Wie soll ich mein Fazit begründen, ohne zu viel zu verraten? Lohnt es sich doch hier gerade, die Lektüre möglichst unbedarft anzugehen, ohne viel Vorwissen. Mal sehen, wie sich dieses Problem lösen lässt.

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