Tahmima Anam: Unser Plan für die Welt

Unser Plan für die WeltVon Tahmima Anam habe ich bereits vor mehreren Jahren zwei Romane gelesen, und da ich die Lektüre in recht guter Erinnerung hatte, wollte ich auch ihrem neuen Roman eine Chance geben. „Unser Plan für die Welt“, im Original treffender „The Startup Wife“ erzählt die Geschichte von einer jungen Frau, einer revolutionären App und der Beziehung der Protagonistin zu ihrem Jugendschwarm, den sie nach Jahren wieder trifft und heiratet.

Auf der Highschool hat Asha, deren Familie aus Bangladesch stammt, Cyrus nur aus der Ferne angeschwärmt. Er hatte „den Kopf in den Wolken“, wie es an einer Stelle im Roman heißt, lebte in seiner eigenen Welt, was auch noch später, als die beiden sich zufällig wiedertreffen, der Fall ist. Cyrus verliebt sich nun in Asha und die beiden heiraten nach nur kurzer Beziehung. Fast zeitgleich gründen sie eine Firma. Asha kümmert sich um die Programmierung, Cyrus wird zum Aushängeschild und als dritter im Bunde ist noch Jules dabei, mit dem Cyrus eine sehr enge Freundschaft verbindet.

Cyrus „erfindet“ Rituale, für jeden Wunsch und jeden Anlass schneidert er den Menschen etwas Passendes auf den Leib. Er findet so etwas wie eine eigene Religion für seine Kunden, etwas, das auf ihr Leben konkret zugeschnitten ist. Er ist ein Idealist, der sich auf keinen Fall verbiegen lassen möchte. Mit der App werden die Rituale professionalisiert, der Algorithmus findet mit wenigen Informationen das richtige für jeden. Die Firma scheint einen Nerv zu treffen. Die drei finden schnell Investoren und vergrößern sich, was später zu Problemen führt. Cyrus, der eigentlich nicht der Chef der Firma werden wollte, wird zu einer Art Lichtfigur für viele Anhänger, doch sein Drang nach Freiheit lässt sich immer weniger damit vereinbaren. Zudem birgt die wachsende Social Media App mit der Zeit auch immer mehr Risiken, die einkalkuliert und so weit wie möglich minimiert werden müssen.

„Unser Plan von der Welt“ wird aus der Sicht von Asha erzählt und stellt ihre Beziehung mit Cyrus in den Mittelpunkt, ebenso wie recht ausführlich von den Geschehnissen im Start up berichtet wird. Angesichts dessen, was letztlich im Roman wirklich Entscheidendes passiert, habe ich mich vermehrt gefragt, warum denn nun jenes Meeting erneut so viel Platz in der Geschichte einnimmt, warum dieses technisches Problem so detailliert erläutert wird. Vielleicht benötigt man tatsächlich mehr fachspezifisches Knowhow, um diese Stellen würdigen zu können, ich empfand viele Ausführungen in ihrer Detailtreue als unnötig. Vor allem brachten sie die Geschichte nur in kleinsten Schritten voran. Denn natürlich ist klar, das Ganze kann nicht unbegrenzt gut gehen, vielleicht wird es Auseinandersetzungen geben, vielleicht wächst den dreien die Sache über den Kopf, vielleicht wird jemand einen Fehler machen, der nicht leicht zu korrigieren sein wird. Die meiste Zeit aber hatte ich das Gefühl, dass die Geschichte vor sich hin erzählt wird, so dass ich mich leider teils gelangweilt habe.

Auch die Liebesgeschichte konnte mich nicht wirklich abholen. So viel Zuneigung, so viel Anziehung, so viel „Wir sind eins“, „wir gegen den Rest der Welt“ – es wäre unrealistisch, wenn das für immer so bliebe. Die Frage ist also eher, welcher Art die Probleme sein werden und wann sie sich zeigen. All das wird meiner Meinung nach zu sehr in die Länge gezogen, zumal der Roman auch sprachlich eher einfach gehalten ist und von seiner Handlung lebt.

Insgesamt blieb der Roman hinter meinen Erwartungen zurück. Vielleicht bin ich altersmäßig zu weit von der Protagonistin entfernt, die durchaus eine Sympathieträgerin ist und deren Handeln auch nachvollziehbar ist, vor allem in Bezug auf ihren Mann und ihren Wunsch nach Emanzipation und Freiheit auf der einen Seite und Liebe und Sicherheit auf der anderen. Aber es gibt hier keinen doppelten Boden, keine tiefergehenden Fragen, außer vielleicht das Start up und seine Regeln und Schwierigkeiten betreffend, aber das war für mich einfach nicht genug. Ich habe mich tatsächlich immer wieder gefragt, ob ich etwas übersehe und warum Anam diesen Roman eigentlich geschrieben hat. Denn das, was sich als Quintessenz daraus herauslesen lässt, scheint mir doch etwas wenig für 350 Romanseiten. Leider haben Buch und Leserin in diesem Fall nicht zusammengepasst.

Tahmima Anam: Unser Plan für die Welt, aus dem Englischen von Kirsten Riesselmann, Hoffmann & Campe Verlag, 2022, 352 Seiten