Eine Reise nach Marokko – Mona Ameziane: Auf Basidis Dach

Auf Basidis DachDie Journalistin und Moderatorin Mona Ameziane kenne ich hauptsächlich von ihrem Instagram-Account. Ich mag sehr, wie sie dort auf sympathische Art Bücher empfiehlt und daher wollte ich ihr Buch „Auf Basidis Dach“ gern lesen. Ameziane hat eine deutsche Mutter und einen marokkanischen Vater. Aufgewachsen ist sie in Deutschland, doch häufige Urlaube in der Heimat des Vaters gehörten selbstverständlich zu ihrem Leben. Später absolvierte sie auch ein Schuljahr in Marokko.

Eine Reise mit ihrem Vater ist nun der Aufhänger für ihr Buch. „Basidi“, das ist ihr Großvater und auf seinem Dach finden üblicherweise die großen Feste statt. Beim Opferfest wird dort auch jedes Jahr ein Schaf geschlachtet – Ameziane erzählt eindrücklich, wie das für sie war, als sie es zum ersten Mal als Jugendliche miterlebte. Sie nimmt uns Leser:innen aber auch mit in ihre Kindheit, teilt Erinnerungen mit uns und hinterfragt sich dabei auch immer wieder selbst.

Marokko ist ein beliebtes Reiseland, schnell von Deutschland zu erreichen, das Land fasziniert, doch die meisten von uns kennen es, wenn überhaupt, nur mit dem eingeengten Blick eines Touristen. Ameziane nimmt uns mit an Orte, die uns normalerweise verborgen bleiben und das Interessante daran ist, dass ihre Wahrnehmung eine dazwischen ist: Sie ist weder Touristin noch Einheimische. So spielt ihre Sozialisation in Deutschland immer eine Rolle, und deshalb gelingt es ihr auch so gut, uns Marokko zu vermitteln.

Zwischendurch gibt es kurze Gespräche mit dem Vater über gemeinsame Erinnerungen, über marokkanische Bräuche und auch über Rassismus. Vater und Tochter reden noch einmal anders miteinander als sonst, so scheint es, sie schneiden Themen an, die sie bisher noch nicht miteinander besprochen haben oder tun dies auf andere Weise.

„Auf Basidis Dach“ wechselt dabei zwischen lustigen Anekdoten und Nachdenklichkeit, es geht um Amezianes Familie und dann wieder um Bräuche und um kulturelle Unterschiede, wir lesen, wie ein echter marokkanischer Pfefferminztee wirklich zubereitet wird und dass es fast unmöglich ist, ihn ohne zu Zucker zu bekommen, wir schlendern mit der Autorin durch die Medina und begleiten sie auf der Suche nach dem Geburtsort ihrer Großmutter.

Insgesamt ein sehr persönliches Buch über eine ebenso persönliche Reise, an der die Autorin uns teilhaben lässt. Manchmal hätte ich mir gewünscht, dass sie die angeschnittenen Themen noch etwas vertieft hätte, andererseits ist dieses Buch wahrscheinlich nicht der Ort dafür. Ich habe „Auf Basidis Dach“ gern gelesen und bin gern auf diese geistige Marokkoreise gegangen.

Mona Ameziane: Auf Basidis Dach. Über Herkunft, Marokko und meine halbe Familie, Verlag Kiepenheuer & Witsch, 2021, 224 Seiten