Bleiben oder gehen? – Bryan Washington: Dinge, an die wir nicht glauben

Dinge, an die wir nicht glaubenBen und Mike sind schon seit ein paar Jahren ein Paar, die Zeit der ersten Verliebtheit ist also vorbei, und alles ist ein wenig eingefahren. Die beiden leben zusammen, Ben arbeitet in einer Kindertagesstätte, Mike ist Koch. Dass Ben schwarz ist und Mike japanische Wurzeln hat, wird dabei genauso beiläufig thematisiert, wie dass sie schwul sind, was eine Stärke des Romans ist (und viel selbstverständlicher sein sollte als es offenbar ist). Zwar unterscheiden sie sich damit teils von anderen, haben mit anderen Problemen zu kämpfen, erfahren Rassismus und Homophobie, doch in vielem ähnelt ihre Beziehung eben auch der von heterosexuellen Paaren.

Zu Beginn des Romans verkündet Mike, dass er für unbestimmte Zeit nach Japan gehen werde. Sein Vater ist unheilbar an Krebs erkrankt und Mike will ihn unterstützen und begleiten. Der Vater hatte die Familie verlassen, als Mike klein war, ihr Verhältnis wurde daraufhin schwierig, doch Mike entscheidet sich, diese letzte Gelegenheit, Zeit mit ihm zu verbringen, wahrzunehmen. Gerade zu dieser Zeit allerdings hat sich auch Mikes Mutter angekündigt, die nun ihrerseits in den USA mit Ben, den sie vorher nicht kannte, zusammenwohnt, während Mike nicht da ist.

Bryan Washington lässt in seinem Roman „Dinge, an die wir nicht glauben“ zuerst Ben erzählen, später dann Mike und schließlich wieder Ben. Dabei ist er immer recht nah an der gesprochenen Sprache, sowohl in den Dialogen (und der Roman ist sehr dialogreich) als auch in den erzählenden Passagen. Teils geht es da auch etwas derber zu, da wird nicht drumherum geredet, auch, aber nicht nur, was Sex angeht. Washington gelingt es, dass es weder beliebig noch seicht wird, sprachlich trifft er den Ton, so dass es nicht ins Ordinäre oder Beliebige abrutscht.

Sowohl Mike als auch Ben sinnieren also über ihre Beziehung, lassen die vergangenen Jahre Revue passieren, überdenken ihre Gefühle zum anderen, ihre Fehler, versuchen, herauszufinden, ob noch genug Verbindendes da ist, um zusammen zu bleiben. Eine große Rolle spielt dabei auch stets die eigene Herkunft und Geschichte, die wie nebenbei immer wieder hineinfließt in den Roman und die sie quasi im Hintergrund mitreflektieren.

„Dinge, an die wir nicht glauben“ ist ein lebensnaher Roman, der gut in unsere Zeit passt, der uns Leser:innen ganz nah heranlässt an seine Figuren und all das, was geschieht. Teils sehr lässig, vermittelt er die Probleme und Sorgen seiner Protagonist:innen doch sehr überzeugend und nimmt dabei immer wieder die Frage in den Blick, wie und wo sie leben wollen, was ein Zuhause ist oder sein kann, was es ausmacht und wie man eigentlich irgendwo ankommt.

Bryan Washington: Dinge, an die wir nicht glauben, aus dem Englischen von Werner Löcher-Lawrence, Kein und Aber Verlag, 2021, 384 Seiten


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