Ein Künstler ermittelt – Gert Ueding: Herbarium, giftgrün

Herbarium, giftgrünMax Kersting schlittert völlig unvorhergesehen in einen Kriminalfall hinein, als ihm bei einem Abendessen von einem Bekannten ein Zettel zugesteckt wird. Es handelt sich um die Notiz einer Studentin, die tot in einem Hörsaal aufgefunden wurde, ob ermordet oder doch eines natürlichen Todes gestorben, ist nicht zweifelsfrei herauszufinden. Kerstings Interesse ist allerdings geweckt, umso mehr, als ihm dieser Zettel dann noch am gleichen Abend gestohlen wird. Zwar hat er dessen Inhalt zu diesem Zeitpunkt noch nicht entschlüsselt, aber immerhin hat er sich ihn gemerkt. Er beginnt, nachzuforschen.

Kersting spricht nun mit verschiedenen Mitgliedern der Universität sowie generell mit Leuten, die die tote Studentin kannten, und er erfährt, dass es einen weiteren Todesfall in ihrem Umfeld gab. Immer wieder erhält er anonyme, aber eindeutige Warnhinweise, man versucht, ihn einzuschüchtern und bedroht ihn, um ihn dazu zu bringen, seine Bemühungen einzustellen. Doch Kersting lässt sich nicht abhalten: Nach und nach wird deutlich, dass es auch an der Uni einige Leute gibt, in deren Interesse es ist, dass Geheimes geheim bleibt.

Wenn Nicht-Polizisten zu Hobbydetektiven werden, dann muss ein Autor oder eine Autorin in irgendeiner Form plausibel machen, dass es dem, der da sucht und nachforscht, auch gelingt, den richtigen Leuten die richtigen Fragen zu stellen und dass jene Gesprächspartner überhaupt eine Veranlassung sehen, dem anderen seine Fragen zu beantworten. Max Kersting ist Künstler ohne direkten Bezug zur Universität oder zum Fall, wieso also sollte man ihm bereitwillig Auskunft geben? In „Herbarium, giftgrün“ tut man das, vollkommen überzeugt hat mich das aber nicht. Gert Ueding zeichnet seinen Helden zwar sympathisch, das allein scheint mir aber etwas wenig, um die Auskunftsfreude der Befragten zu erklären. Dass er dann im Zuge seiner Detektivarbeit eine junge, attraktive Studentin kennenlernt, mit der er bald ein Verhältnis beginnt, scheint so erwartbar wie klischeehaft.

Ansonsten ist mir Kerstings Verhalten auch gegenüber der Polizei nicht ganz plausibel. Die informiert er nur widerwillig sowohl über die Bedrohungen, die er erfährt, als auch über das, was er herausfindet. So bleibt Kommissar Neunzig eine eher blasse Figur im Hintergrund.

Das gilt meinem Empfinden nach auch für die meisten anderen Protagonisten. Die verschiedenen Mitglieder der Universität wirken auf mich so ähnlich, dass ich sie kaum auseinanderhalten konnte. Die theoretischen Gespräche, die man dort zur allgemeinen Lage an den Universitäten führt, wirken meist wie Fremdkörper und fügen sich nicht recht in die Handlung ein.

Insgesamt empfinde ich den Roman als ein bisschen angestaubt, was sich auch in der Sprache zeigt. Die Dialoge wirken auf mich oft gestelzt, gerade das Liebesgeflüster zwischen Kersting und seiner Freundin scheint aufgesetzt, was sich mit der Zeit dann auch noch verstärkt. Auch die meiner Meinung nach teils unnötigen, technisch-erklärenden Kapitelüberschriften tragen dazu bei („Der Verdacht wirkt konkreter“, „Alte und neue Indizien“, „Neue Gefahren“). Die Krimihandlung stockt zuweilen, bis es gegen Ende dann doch noch einmal spannend wird, als es zur Auflösung des Falls kommt. Die Ausgangslage von „Herbarium, giftgrün“ empfand ich als vielversprechend und ich habe den Roman auch zunächst gern gelesen, leider nahm meine Begeisterung dann aber kontinuierlich aus den genannten Gründen ab. Eine weitere Besprechung gibt es bei buch-haltung.com.

Gert Ueding: Herbarium, giftgrün, Kroener Verlag, 2021, 340 Seiten


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