Mord auf der Couch – Amanda Cross: Die letzte Analyse

Die letzte Analyse„Die letzte Analyse“ erschien bereits 1964, damals noch unter dem Titel „Gefährliche Praxis“. Es ist der erste Band einer Reihe um die Protagonistin Kate Fansler, die durch Kombinieren und Gespräche mit Freund*innen, Kolleg*innen sowie Menschen aus dem Umfeld der Opfer ihre Fälle löst. Diese sind im akademischen Milieu angesiedelt, Fansler ist wie die Autorin der Reihe Literaturwissenschaftlerin. Amanda Cross ist dabei ein Pseudonym, das die Schriftstellerin und Feministin Carolyn Heilbrun (1926-2003) für ihre Kriminalromane verwendete. Ihre feministischen nicht-fiktionalen Werke veröffentlichte sie unter ihrem eigentlichen Namen.

In „Die letzte Analyse“ wird Janet, eine Studentin Kates, auf der Couch ihres Analytikers getötet. Kate ist persönlich betroffen, weniger weil sie Kate gut gekannt hätte, denn das war nicht der Fall, sondern weil Emanuel, der Analytiker, ein guter Freund ist und sie Janet zudem selbst zu Emanuel geschickt hat, denn die hatte Kate um eine Empfehlung für eine Psychoanalyse gebeten. Kate kann sich nicht vorstellen, dass Emanuel oder seine Frau, mit der sie ebenfalls gut befreundet ist, etwas mit dem Mord zu tun haben könnte, obwohl alle Indizien auf ihn verweisen. Um den Fall zu lösen, legt sie sich nicht nur selbst ins Zeug, sondern engagiert außerdem Jerry, den Freund ihrer Nichte, der beginnt Nachforschungen anzustellen. Außerdem bekommt sie immer wieder Insiderwissen von Staatsanwalt Reed, das dieser mit ihr teilt, obwohl er sich damit zumindest an der Grenze des Erlaubten bewegt.

„Die letzte Analyse“ ist eher charmant als spannend, jedenfalls in dem Sinne, dass wir hier keine Actionszenen, Verfolgungsjagden, keine explizite Brutalität finden – die wir wohl auch von vornherein nicht erwarten würden. Im Mittelpunkt stehen Kate und ihre Kombinationsfähigkeit sowie die vielen pointierten Dialoge, die sie auf dem Weg zur Aufklärung des Falles führt. So wird daraus quasi eine Analyse des Falls, die sie angeht ähnlich, wie sie es mit einer literaturwissenschaftlichen Analyse tun würde. Dazu passt auch, dass es im Roman einige Zitate und literarische Querverweise gibt.

Kate Fansler ähnelt ihrer Schöpferin vermutlich nicht nur in ihrer Profession, sondern auch charakterlich. Die Romane um sie werden als feministische Kriminalromane bezeichnet, die zu ihrer Zeit, also ab der Mitte der 60er Jahre, ziemlich bahnbrechend gewesen sein müssen. Kate ist selbstbewusst, redet viel und besteht darauf, dass man sie in jeder Lage ernst nimmt: Was selbstverständlich sein sollte, fordert sie ebenso selbstverständlich ein. „Die letzte Analyse“ ist ein kluger Spaß in intellektuellem Milieu und macht Lust auf weitere Romane der Reihe.

Amanda Cross: Die letzte Analyse, aus dem Amerikanischen von Monika Blaich und Klaus Kamberger, Dörlemann Verlag, 2021, 336 Seiten


Ein Gedanke zu “Mord auf der Couch – Amanda Cross: Die letzte Analyse

  1. Witzig, ich habe gerade ein Buch von Carolyn Heilbrun gelesen und war da auf einen Verweis auf ihre Tätigkeit als Krimi-Autorin gestoßen. Jetzt hab ich Lust tatsächlich mal einen Amanda Cross Krimi zu lesen :)

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