Selbstbestimmung und Hexerei – Sylvia Townsend Warner: Lolly Willowes oder der liebevolle Jägersmann

Sylvia Townsend Warners Debütroman „Lolly Willowes“ erschien bereits 1926 und wurde nun im Dörlemann Verlag neu herausgegeben. Es ist die Geschichte über eine Frau, die sich von Erwartungen und Zwängen befreit und schließlich ein Leben ganz nach ihren eigenen Vorstellungen lebt.

Laura Willowes wächst wohlbehütet auf und hat vor allem zu ihrem Vater ein sehr enges Verhältnis. Als er stirbt, zieht sie zu ihrem Bruder und dessen Frau und lebt viele Jahre mit ihnen zusammen. Die beiden versuchen immer wieder, einen passenden Ehemann für Lolly zu finden, doch sie ist an einer Heirat nicht interessiert und schafft es jedes Mal, die Anwärter zwar nicht komplett unhöflich, aber doch mit Nachdruck zurückzuweisen. Schließlich gibt Lollys Familie auf und lässt sie in Ruhe.

Jahre später beschließt Lolly, den Bruder und seine Familie zu verlassen und allein zu leben. Mehr oder weniger zufällig beschließt sie, nach Great Mop zu ziehen, und sie setzt diesen Entschluss gegen den Widerstand ihrer Familie in die Tat um. Sie genießt ihr neues, selbstbestimmtes Leben, bis ihr Neffe auftaucht, offenbar in der Annahme, Lolly werde sich wieder um ihn kümmern wie früher. Lolly sieht ihre neu gewonnene Freiheit in Gefahr und schließt einen Pakt mit dem Teufel.

Über Sylvia Townsend Warners Roman wurde in den letzten Wochen und Monaten schon sehr viel geschrieben und ich kann mich nicht an eine negative Rezension zu diesem Roman erinnern. Lolly Willowes ist eine so eigensinnige wie sympathische Protagonistin, und man folgt ihr nur zu gern in ihr schließlich komplett von eigenen Vorstellungen geprägtes Leben, etwas, das zu Beginn des 20. Jahrhunderts alles andere als selbstverständlich war. Dabei wird „Lolly Willowes“ mit der Zeit und einigermaßen unerwartet zu einem Hexenroman, wird aus dem realistischen Roman eine phantastische Geschichte, als Lolly sogar den Teufel hinzuzieht, um ihr neu gewonnenes Leben nicht zu gefährden.

„Lolly Willowes“ ist frech, schräg und satirisch, Townsend nimmt sich ebenso wie ihre Protagonistin alle Freiheiten heraus. Der Roman ist ein Stück unkonventioneller feministischer Literatur, die uns auch heute noch etwas zu sagen hat, und die Lektüre macht Spaß. Für die Autorin bedeutete er einen großen Erfolg, dem weitere Romane folgten. Eine Wiederentdeckung, die kein bisschen Staub angesetzt hat.

Sylvia Townsend Warner: Lolly Willowes oder der liebevolle Jägersmann, aus dem Englischen von Ann Anders, Dörlemann Verlag, 2020, 272 Seiten


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