Mord nach Manuskript – Katrine Engberg: Krokodilwächter

Zu Katrine Engbergs „Krokodilwächter“ habe ich gegriffen auf der Suche nach einer Lektüre, die möglichst leicht und spannend, aber nicht seicht sein sollte. Wenn ich einen Krimi lese, interessieren mich vor allem die psychologischen Zusammenhänge und das Zwischenmenschliche, während ich mit roher Gewalt und Blutrünstigkeit wenig anfangen kann. Die Romane aus Engbergs Kopenhagenserie, von der bisher drei Bände ins Deutsche übersetzt wurden, begegneten mir immer wieder und so gab ich dem ersten Teil eine Chance.

Alles beginnt damit, dass der alte Gregers in der Studentenwohnung, über der er wohnt, die Leiche der jungen Julie findet bzw. quasi über sie stolpert. Julie wurde nicht nur ermordet, sie ist auch mit Schnitten übersäht, der Täter hat Muster in ihrem Gesicht hinterlassen. Julie hat ihn selbst in die Wohnung gelassen, muss ihren Mörder also wohl gekannt haben. Doch niemand weiß, wer das gewesen sein könnte. Sie hatte jemanden kennengelernt, bisher hatte sie den mysteriösen Mann, der sie offenbar fasziniert hat, aber niemandem vorgestellt. Doch hat dieser Mann überhaupt etwas mit dem Mord zu tun? Es gibt noch eine Reihe anderer Spuren.

Esther, die Vermieterin von Julie und deren Mitbewohnerin Caroline, hat die junge Frau gekannt und gemocht. Esther lebt allein mit ihren beiden Möpsen ebenfalls im Haus und ist natürlich schockiert von dem, was passiert ist. Sie hat an einem Krimi geschrieben und fühlt sich schuldig, als sie erkennt, dass ihr Manuskript als Vorlage für den Mord diente, denn dieser wurde wie von ihr beschrieben verübt. Doch wer hatte überhaupt Zugang zu ihrem Manuskript? Hat Esthers junger Freund Kristoffer etwas mit dem Mord zu tun? Schließlich war er in Julie verliebt und ging in Esthers Wohnung ein und aus? Oder liegt die Wahrheit ganz woanders verborgen, vielleicht in Julies Vergangenheit?

Die Kommissare Jeppe und Anette nehmen die Ermittlungen auf. Anette ist glücklich verheiratet, Jeppe dagegen lebt von seiner Frau getrennt und leidet unter der Situation. Er hat chronische Rückenschmerzen, die ihn auch bei der Arbeit einschränken. Wie üblich, gibt es also auch in „Krokodilwächter“ ein bisschen Ermittler-Privatleben. Für mich gehört das dazu, ich ziehe das dem Detektiv, der nur in seiner Funktion als Ermittler auftaucht, vor.

Katrine Engberg lässt sich gerade im ersten Drittel erst einmal etwas Zeit, um die Menschen in Julies Umfeld vorzustellen, um eine Menge Fährten zu legen, die dann im Laufe des Romans weiter verfolgt werden. Für mich hat das gut funktioniert, die Spannung steigert sich langsam, so dass ich immer weiterlesen musste, wozu auch die größtenteils überzeugenden Charaktere beitrugen. Ob das Ganze nun letztlich realistisch aufgeklärt wird? Vielleicht ist das gar nicht das Wichtigste. Immerhin ist die Auflösung in sich schlüssig. Mir hat „Krokodilwächter“ ein paar unterhaltsame und spannende Stunden beschert und ich freue mich schon auf ein Wiedersehen mit Jeppe und Anette in ihrem zweiten Fall.

Katrine Engberg: Krokodilwächter, aus dem Dänischen von Ulrich Sonnenberg, Diogenes Taschenbuch, 2019, 544 Seiten


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