Erste Liebe – André Aciman: Call me by your name

André Acimans Roman “Call me by your name” wollte ich schon länger lesen, spätestens seit ich die wunderbare Verfilmung des Romans von Luca Guadagnino gesehen habe. Timothée Chalamet wurde für seine Interpretation des jungen Elio für einen Oscar nominiert, und das völlig zu Recht. Im Juli wird bei dtv die Fortsetzung des Romans erscheinen, und auch eine Kinofortsetzung ist in Planung. Es wurde bereits bestätigt, dass neben Chalamet auch Armie Hammer, der den Oliver verkörpert, sowie weitere Darsteller aus dem ersten Film wieder mit dabei sein werden.

Die Geschichte, die Aciman in seinem Roman erzählt, umfasst nur einen Zeitraum von wenigen Wochen. Es ist ein heißer Sommer in den 80er Jahren. Elio verbringt ihn mit seinen Eltern auf ihrem Landsitz in Italien. Sein Vater ist Archäologe, sie sind gesellige Intellektuelle, die viel Besuch empfangen und Elio mehrsprachig erzogen haben. Im Sommer kommt jeweils ein Gast, ein Student, der Elios Vater bei seinen Arbeiten zur Hand gehen soll. In diesem Jahr ist es Oliver, wie Elio ist er jüdischer Abstammung, er ist gutaussehend und selbstbewusst.

Elio zeigt Oliver die Gegend und langsam freunden sich die beiden an. Elio ist zunehmend verwirrt von seinen Gefühlen für Oliver und leidet darunter, dass dieser ihn im Unklaren darüber lässt, wie er zu ihm steht. Schließlich finden sie zueinander, halten ihre Beziehung aber geheim.

„Call me by your name“ ist von großer Intensität, und steht dem Film so in nichts nach. Auch im Roman ist die flirrende Hitze zu spüren, die langen Tage, die Elio mit lesen, schwimmen und Klavierspielen verbringt, der Sommer, von dem man anfangs glaubt, er werde nie enden, und der später wie im Fluge vergangen sein wird. Der Roman ist außerdem schmerzlich nah an Elio dran, so dass man als LeserIn kaum anders kann, als mit ihm zu leiden, denn ihn quälen seine intensiven Gefühle für Oliver. Elio lässt nichts aus, ist gnadenlos ehrlich, lässt uns an seiner Unsicherheit, aber auch an seiner Verliebtheit und Leidenschaft teilhaben.

Da ich den Film vor dem Buch kannte, blieb es nicht aus, dass ich die beiden Hauptdarsteller in den Romanfiguren sah, doch das störte nicht, da Elio und Oliver in der Verfilmung sehr gut besetzt sind und die Vorstellung, die ich beim Lesen hatte, sehr stimmungsvoll und stimmig war. Dass es sich bei der erzählten Liebesgeschichte um eine unter Männern handelt, spielt zwar eine Rolle – die Unsicherheit sicher größer und angesichts von Zeit und Ort, in der der Roman spielt, auch ansonsten schwierig (wobei im intellektuellen und liebevollen Milieu, in dem Elio aufwächst, wohl weniger kompliziert als in anderem Kontext) – doch für die Gefühle, um die es letztlich geht, spielt das eigentlich keine Rolle. Aciman hat einen bittersüßen Roman um eine erste Liebe geschrieben, voller Intensität und Zuneigung zu seinen Figuren. Ein Roman, der eigentlich keine Fortsetzung benötigt, die sicherlich auch ein Wagnis ist, da die Erwartungen an sie hoch sind, und dennoch freue ich mich schon darauf.

André Aciman: Call me by your name, aus dem amerikanischen Englisch von Renate Orth-Guttmann, dtv Taschenbuch Verlag, 2018, 288 Seiten

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