Die Verbindung von Schwestern – Alix Ohlin: Robin und Lark

In diesem Frühjahr erschienen gleich drei Romane, die sich mit der Beziehung von Schwestern auseinandersetzen: Da ist einmal Liz Moores spannender und dramatischer Roman „Long Bright River“ (wie „Robin und Lark“ bei C.H. Beck erschienen), den ich wie atemlos gelesen habe. Und Katya Apekinas „Je tiefer das Wasser“ (Suhrkamp), der zwar noch einige Figuren mehr in den Mittelpunkt rückt, doch auch hier sind es ungleiche Schwestern, die sich einer schwierigen Situation stellen müssen. Und nun eben „Robin und Lark“ von Alix Ohlin.

Robin und Lark sind also auch Schwestern, vielmehr Halbschwestern. Ihre Mutter Marianne bekam sie sehr früh und war mit den Töchtern überfordert. Die beiden fühlten sich bei ihr niemals sicher und geborgen, Marianne kümmerte sich kaum, war eher desinteressiert, und so wurde die vier Jahre ältere Lark so etwas wie eine Ersatzmutter für Robin.

Die Schwestern sind sehr unterschiedlich. Lark eher zurückhaltend und unsicher, eine Einzelgängerin, Robin attraktiv und einnehmend, aber auch eigensinnig und stur. Durch die Situation in der Familie und die Abwesenheit eines Vaters rücken die beiden sehr eng zusammen. Robin ist eine talentierte Pianistin, die es weit bringen kann – wenn sie es denn will. Die Schwestern nabeln sich schließlich von zu Hause ab, wohnen in New York zusammen, wo Robin die Juillard School besucht und Lark an der Uni studiert, sie möchte gern Filme machen. Doch der vorgezeichnete Weg wird für beide anders verlaufen als erwartet.

Alix Ohlin lässt Lark die Geschichte durchgehend erzählen, andere Perspektiven lernen wir nicht kennen. Erzählt wird chronologisch vom Auf und Ab zwischen den Schwestern, deren Wege sich immer wieder trennen. Der Klappentext setzt dabei einen Schwerpunkt, den es so eigentlich nicht gibt, am besten liest man ihn nicht oder vergisst ihn besser gleich wieder, da er in die Irre führt. Robin ist im Roman ganz eindeutig die Geheimnisvolle, die, die sich von niemandem etwas sagen lässt, die genau weiß, was sie will, und für ihre Ziele arbeitet, auch, wenn sie damit andere vor den Kopf stößt. Lark ist die Vernünftige, die, die sich kümmert, auch wenn es Zeiten gibt, zu denen die Rollen wechseln.

Für mich ist „Robin und Lark“ einer jener Romane, über die ich nicht viel sagen kann. Es gibt Romane, die stoßen viel an, die treffen mit Kleinigkeiten, man „schwingt mit“, wie eine befreundete Bloggerin zu sagen pflegt. All das war hier bei mir nicht der Fall. Der Roman liest sich flott, auch unterhaltsam, doch zu keiner Zeit hatte ich das Gefühl, etwas zu lesen, das mir etwas zu sagen hat, das mir im Kopf bleiben wird, das eine Dringlichkeit hat. Das ist vielleicht auch nicht nötig, doch so fürchte ich, dass ich die Schwestern bald vergessen haben werde. „Robin und Lark“ ist dennoch eine gut, wenn auch recht konventionell erzählte Geschichte über eine der Beziehungen, die ein Leben lang halten und aus der man sich nicht befreien kann.

Weitere Besprechungen gibt es bei literaturreich und Buch-Haltung.

Alix Ohlin: Robin und Lark, aus dem Englischen von Judith Schwaab, C.H. Beck Verlag, 2o20

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