Das Debüt 2019 – Bloggerpreis für Literatur – Meine Entscheidung

Seit 2016 schreibt der Gemeinschaftsblog Das Debüt einen Preis für das beste deutschsprachige Debüt aus. Janine Hasse, Sarah Jäger und Dr. Bozena Anna Badura haben auch in diesem Jahr die eingereichten Romane gesichtet und eine Shortlist aus fünf Titeln erstellt. Eine zeitintensive Arbeit, denn es waren 80 Romane, die es zu sichten galt. Seit November lesen und diskutieren wir in der Bloggerjury nun über die fünf Romane und zerbrechen uns den Kopf darüber, wer wie viele Punkte erhalten soll.

Ich bin das erste Mal dabei und war daher umso gespannter auf die Romane, die es auf die Shortlist geschafft haben. Ein bisschen überrascht war ich, dass es sich hauptsächlich um Romane handelte, die bisher – in meiner Wahrnehmung – nicht allzu viel Aufmerksamkeit erhalten haben, mit Ausnahme von Angela Lehners „Vater unser“, das doch in den letzten Monaten schon recht präsent war und auf der Longlist des Deutschen Buchpreises stand und den Debütpreis des Österreichischen Buchpreises gewonnen hat. Andererseits begrüße ich, dass durch die Shortlist Romane in den Fokus rücken, die nicht jedem präsent sind und die ein genaueres Hinschauen auf jeden Fall verdient haben.

Nun gilt es also, Punkte zu vergeben: 5 für meinen Favoriten, 3 für den Zweitplazierten, 1 für den Dritten, zwei Romane gehen leer aus. Meine Einschätzung ist selbstverständlich sehr subjektiv und von meinem persönlichen Leseerlebnis geleitet.

Recht schnell stand fest, dass Martin Peichls „Wie man Dinge repariert“ keine Punkte erhalten würde, allein schon, weil mich der Roman thematisch nicht anspricht. Der Roman erzählt episodenhaft (was mir eigentlich meist gut gefällt) von verschiedenen Liebes- bzw. Beziehungsgeschichten, insgesamt ist mir das alles aber zu zerschossen und uneinheitlich und ca. ab der Hälfte hat mich das alles dann leider gar nicht mehr interessiert.

„Vater unser“ von Angela Lehner hatte ich schon länger auf dem Schirm und so habe ich mich gefreut, dass ich nun einen triftigen Grund hatte, den Roman endlich zu lesen. Die Ausgangssituation der jungen Frau in der Psychiatrie fand ich reizvoll und anfangs habe ich auch recht gern gelesen, wie sie den Therapeuten Korb durch ihre rotzfreche Art immer wieder versucht hat, aus der Fassung zu bringen. Sie ist eine unzuverlässige Erzählerin und die Spannung zieht der Roman vor allem aus der Frage, was genau sich denn nun eigentlich zugetragen hat. Letztlich war ich aber recht ratlos nach Beenden der Lektüre und habe mich gefragt, was das alles eigentlich sollte. Daher mein vierter Platz und leider ebenfalls keine Punkte.

Ana Marwans „Der Kreis des Weberknechts“ erhält von mir einen Punkt und ist somit mein Platz 3. Die Geschichte über Karl Lipitsch, der sich nicht ohne Stolz als Misanthrop bezeichnet und der eigentlich um nichts in der Welt gestört werden will, weil er gerade an etwas Wichtigem schreibt, hat mir teilweise gut gefallen. Lipitsch hat keine große Meinung von Frauen, und so empfindet er die Kontaktversuche der Nachbarin Mathilde als störend und sich als ihr überlegen, während er sich nicht eingesteht, dass er sie eigentlich mag, vielleicht sogar liebt. „Der Kreis des Weberknechts“ lebt von Marwans Sprache und von der Ironie, mit der das alles erzählt wird. Insgesamt hat mir die Form dabei gut gefallen, viel Handlung gibt es nicht. Lange fesseln konnte mich der Roman leider nicht.

Drei Punkte gibt es von mir für Nadine Schneiders Roman „Drei Kilometer“. Die Entscheidung zwischen diesem Roman und „Ich kann dich hören“ war eine enge, beide Romane überzeugen auf unterschiedliche Art und Weise. Schneider schreibt in ihrem Debüt von Anna, Misch und Hans, die 1989 in einem heißen Spätsommer in Rumänien darüber nachdenken, zu fliehen, die Grenze ist nur drei Kilometer entfernt. Niemand weiß, was die nahe Zukunft bringen wird und die Frage nach dem Gehen oder Bleiben steht im Mittelpunkt der Geschichte. Schneider ist eine Meisterin der Atmosphäre, denn auch hier passiert nicht allzu viel, doch der Roman lebt vom Talent Schneiders, die bedrückende Hitze und die Melancholie auf den Leser zu übertragen. So ist „Drei Kilometer“ eins jener Bücher, die vor allem wegen der in ihnen geschafften Stimmung nachhallen und in Erinnerung bleiben.

Platz 1 geht an Katharina Mevissens „Ich kann dich hören“ und erhält somit fünf Punkte. Wohl der Roman auf der Shortlist, der die meisten Themen in sich vereint, in dem die Handlung wichtiger ist als in den meisten der anderen Romane auf der Shortlist. Osman studiert Cello, hat eine schwierige Familiengeschichte, ein kompliziertes Verhältnis zu seiner Mitbewohnerin und findet ein Diktiergerät, dessen Inhalt ihn gefangennimmt. Es geht um die Bedeutung von Musik, um den Stellenwert von Sprache und den Sinn des Hörens. Um Familie, Freundschaft und Unausgesprochenes. Ein gelungenes Debüt, komplex und doch voller Leichtigkeit. Hier geht es zu meiner ausführlichen Besprechung.

Gewinnerin des Debütpreises ist Nadine Schneider mit „Drei Kilometer“. Hier geht es zum Beitrag auf Das Debüt.

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