Rätsel in der Vorweihnachtszeit – Jan Brandt: Der magische Adventskalender

Jonas lebt mit seinem Vater und seiner Schwester in Ravenhagen. Er hat sich zurückgezogen, seit seine Mutter nicht mehr da ist. Wo sie ist, wird nicht erwähnt, aber wahrscheinlich ist sie gestorben, ebenso wie die Großmutter. Beide werden von Jonas und Sonja schmerzlich vermisst, während der Vater versucht, seinen Kindern eine geborgene Kindheit zu ermöglichen. Am 1. Dezember findet Jonas vor der Tür einen Adventskalender, der sich als magisch herausstellt: Auf den Türen sind neben den Zahlen Symbole abgebildet, die Jonas Bewohnern von Ravenhagen zuordnen muss, denn nur die richtige Person kann das entsprechende Türchen öffnen, für alle anderen bleiben die Türen fest verschlossen.

Jonas ist nun also gezwungen, sich jeden Tag auf die Suche zu machen nach demjenigen, für den die jeweilige Tür gedacht ist. Und somit muss er auch mit den Bewohnern reden und sich wieder heraustrauen. Ravenhagen ist eine kleine Stadt, in der jeder jeden kennt, und jeder weiß, wer Jonas ist und dass er und seine Schwester ohne Mutter sind. Der Adventskalender bringt Jonas dazu, wieder Kontakt zu anderen zu haben.

Doch der Kalender hält noch weitere Überraschungen bereit, und es geschehen wahrhaft magische Dinge, als Jonas Herrn Oppermann kennenlernt, der in dem Kalender wohnt und arbeitet. Und Jonas muss auch seinem Erzfeind die Stirn bieten, einem Jungen an seiner Schule, der ihn hänselt und triezt, und vor dem Jonas eigentlich lieber davonlaufen würde.

„Das magische Adventskalender“ beruht auf einer Reihe von Werbespots der Telekom, die in der Adventszeit 2016 gesendet wurden, wie im Buch zu lesen ist, und die mir nicht bekannt waren. „Das Leben schenkt uns mehr, wenn wir teilen“ war der Titel der Kampagne und aus dieser hat Jan Brandt, dessen Debütroman „Gegen die Welt“ zu meinen absoluten Lieblingsbüchern gehört (und der mein Hauptantrieb war, diese Geschichte lesen zu wollen) ein sehr charmantes Buch gemacht.

An jedem der 24 Dezembertage spielt ein Kapitel, so dass das Buch sehr stringent aufgeteilt ist und man es gut häppchenweise zusammen mit Kindern im entsprechenden Alter lesen kann. Jonas dürfte in der vierten Klasse sein. „Der magische Adventskalender“ hält keine Altersempfehlung bereit, vielmehr wirbt man damit, es sei ein Buch für Jung und Alt, was sicher auch stimmt. Jedes Kapitel enthält eine stimmige Illustration von Daniel Faller.

Normalerweise lese ich keine Kinder- und Jugendbücher, so dass ich den „Magischen Adventskalender“ nicht mit anderen Büchern des Genres vergleichen kann. Dennoch empfehle ich Brandts Buch gern weiter, da er seine Geschichte in zwar einfach verständlicher, doch auch sehr treffender und pointierter Sprache erzählt. Die eigentlich traurige Situation des einsamen Kindes in der Weihnachtszeit verpackt er geschickt und versieht seine Geschichte mit teilweise sehr witzigen und charmanten Einfällen, so dass sie stets einen positiven Grundton behält und spannend bleibt, denn natürlich will man unbedingt wissen, wo der Kalender überhaupt herkommt und was es mit ihm auf sich hat. Eine Botschaft muss es in so einer Geschichte wohl geben, diese verpackt der Autor völlig unübertrieben, sondern lässt sie wie nebenbei mitklingen. „Der magische Adventskalender“ ist eine schöne, nachdenkliche und spannende Geschichte, die die Wartezeit bis zum Heiligen Abend auf unterhaltsame Weise verkürzen kann.

Jan Brandt: Der magische Adventskalender, Dumont Verlag, 2018, 208 Seiten

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