Erzählungen aus dem letzten Jahrhundert – Tania Blixen: Nordische Nächte

Normalerweise bin ich kein Coverkäufer. Ganz freimachen kann man sich sicher nicht von dem Impuls, in der Buchhandlung nach einem schön gestalteten Buch zu greifen, jedoch reicht ein Cover, das mich anspricht, normalerweise nicht aus, um mich zum Kauf zu verleiten. Das Taschenbuch, das unter dem Titel „Nordische Nächte“ sieben Erzählungen Tania Blixens zusammenstellt allerdings fand ich dann doch so ansprechend, dass ich es mir genauer ansah – es war meine erste literarische Begegnung mit der 1962 verstorbenen Autorin.

Tania Blixen, eigentlich Karen Blixen-Fineke, ist hierzulande hauptsächlich durch ihre Erinnerungen „Jenseits von Afrika“ bekannt, die mit Meryl Streep in der Hauptrolle verfilmt wurden und 1985 in die Kinos kamen. Die vorliegenden Erzählungen entstanden zwischen 1905 und 1957 und wurden lose unter dem Thema Norden zusammengestellt, wobei sich auch eine märchenhafte Erzählung unter ihnen befindet, die in Persien oder Indien spielen soll – das wisse man nicht mehr so genau, so der namenlose Erzähler bzw. die Erzählerin.

In den übrigen Erzählungen entführt uns Blixen in andere Zeiten, ihre Themen sind Ansehen, Beruf und Ehre, die Stellung von Mann und Frau. In der berühmten Erzählung „Babettes Fest“ etwa erzählt sie von zwei Frauen, die jegliche Verehrer abweisen und allein bleiben, ihr Leben aber gemeinsam in einem Haushalt verbringen und zu denen irgendwann als Haushälterin jene Babette kommt: Sie wurde von einem der Männer, die einst eine der beiden alleinstehenden Schwestern umworben hatte, zu ihnen geschickt, mit der Bitte, sie anzustellen. Als Babette eines Tages in der Lotterie gewinnt, gibt sie ein Fest, das zugleich ihren Abschied zelebrieren soll. Diese Erzählung wurde 1987 verfilmt.

Die anderen Erzählungen greifen unglückliche Liebe auf oder das Bestreben, durch Betrügereien an Geld zu kommen und somit ein stressfreies Leben zu führen, eine weitere Erzählung stellt die Frage, was eigentlich eine gute Geschichte ist. Sie unterscheiden sich in ihren Themen, in ihren Figuren, führen aber fast alle in ein bestimmtes Milieu, eine bestimmte Welt. Blixen bedient sich oft ausführlicher Beschreibungen, ohne die Handlung weiterzuführen, und obwohl ihre Sprache sitzt und mir die manchmal langen Sätze, in denen sie nie den Faden verliert, gefallen, empfinde ich Blixens Stil dennoch oft als ein wenig ermüdend. Auch wollten die Figuren nicht immer recht zum Leben erwachen, blieben manchmal etwas an der Oberfläche.

Die Erzählungen zeigen Ausschnitte aus dem Leben ihrer Protagonisten, es ist, als würden wir Leser irgendwann hinzukommen, eine Weile zuschauen und mit ihnen mitgehen und dann einfach wieder aus dem Geschehen ausgeblendet werden: Es gibt nicht immer einen Abschluss, einen Schnitt.

Obwohl Tania Blixens Erzählungen bei mir nicht recht zünden wollten, wird ihre Lebensklugheit stets offenbar: Ihr Blick auf die Figuren ist unverstellt, ihre Erzählungen sind immer auch ein Abbild der Zeit, in der sie spielen und der Konventionen, der sich auf der einen Seite die Figuren beugen mussten, nach denen sich auf der anderen Seite vielleicht aber auch die Autorin gerichtet hat. So fällt mein Fazit gemischt aus: Die Sprache Blixens gefällt mir sehr, ihre Geschichten konnten mich nur bedingt fesseln.

Tania Blixen: Nordische Nächte, Penguin Verlag, 2016, 320 Seiten, 10 Euro

 

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