Einem Toten auf der Spur – Eric Ambler: Die Maske des Dimitrios

Die Maske des DimitriosWir befinden uns in Istanbul in den 1930er Jahren, als Charles Latimer, englischer Autor von Kriminalromanen, Oberst Hakki, den Chef der türkischen Geheimpolizei kennenlernt. Hakki übergibt Latimer einen Entwurf für einen Kriminalroman, den er aus Zeitmangel nicht selbst schreiben wolle bzw. könne, damit sich Latimer der Geschichte annehme. Bei der Gelegenheit erzählt er Latimer von einem Verbrecher namens Dimitrios Makropoulos, dessen Leiche man gerade gefunden habe. Dieser Dimitrios habe sich der verschiedensten Verbrechen schuldig gemacht und sei nun wohl von einem derjenigen, mit denen er dabei aneinandergeraten sei, umgebracht worden. Latimer kommt die Idee, zu fragen, ob er die Leiche sehen dürfe, schließlich schreibe er zwar schon lange über Tote, habe aber noch nie einen gesehen. Hakki willigt ein und nimmt Latimer mit ins Leichenschauhaus. Daraufhin beschließt Latimer aus kriminalistisch-literarischem Interesse der Spur von Dimitrios zu folgen. Vor allem möchte er etwas herausfinden, was der Polizei bisher verborgen blieb. So macht er sich auf die Suche durch halb Europa und gerät dabei schließlich in Gefahr.

„Die Maske des Dimitrios“ von Eric Ambler erschien bereits im Jahr 1939, kam in Deutschland erstmals in den 50er Jahren heraus und wurde nun bei Hoffmann & Campe neu aufgelegt. Der Roman wird oft als einer der wichtigsten Spionageromane bezeichnet. Tatsächlich nimmt sich Ambler die nötige Zeit, Latimer auf seinen Spuren zu folgen, erläutert genau, wo er sich gerade befindet und mit wem er zusammen ist, wer ihm welche Informationen gibt und wie diese ihn weiterbringen. Das heißt, dass man mit großen Knalleffekten nicht rechnen muss, sondern den Roman als das lesen sollte, was er ist: Die Verfolgung und Lösung eines Rätsels, bei dem der Leser stets auf dem Stand des Protagonisten Latimer ist. Dabei nutzt Ambler oft ausgiebig Dialoge, lässt seine Protagonisten ausführlich Zusammenhänge erläutern und gibt seinen Lesern auch Briefe an die Hand.

Latimer begegnet verschiedenen Personen, die mit Dimitrios zu tun hatten, die ihn kannten, teilweise auch mit ihm zusammengearbeitet haben. Amblers Figurenzeichnung ist dabei bemerkenswert, sie haben sympathische und unsympathische Seiten, spielen zumeist nicht mit offenen Karten. Als Leser ist es nicht immer leicht, sie einzuschätzen, auch wenn den heutigen Krimileser einige Wendungen vielleicht nicht allzu sehr überraschen dürften. Amblers ruhige Erzählweise gehört aber auch zu den Punkten, die die Geschichte ausmachen und die die Lektüre äußerst angenehm werden lassen.

Ambler schreibt klug und pointiert und erzeugt in seinem Roman eine Grundspannung, die man gern aushält, die einen antreibt, immer weiter zu lesen. Ganz nebenbei erfährt man noch Einiges über geschichtliche Ereignisse in der Türkei, Griechenland und Europa um die Zeit, in der der Roman spielt, das heißt, in den 20er und 30er Jahren des 20. Jahrhunderts. Man taucht ab in die Welten des organisierten Verbrechens. „Die Maske des Dimitrios“ ist ein eher unaufgeregter Kriminalroman, der durch seine Sprache und seine Erzählweise besticht sowie durch seine gut ausgearbeiteten Figuren. In anderen Rezensionen ist immer wieder davon zu lesen, welche Eleganz „Die Maske des Dimitrios“ auszeichne: Besser kann man es eigentlich nicht ausdrücken. Ein lesenswerter Krimi, der es gar nicht nötig hat, durch Blutrünstigkeit zu schocken.

Eric Ambler: Die Maske des Dimitrios, Hoffmann und Campe 2016, 336 Seiten, 22 Euro

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4 Antworten zu Einem Toten auf der Spur – Eric Ambler: Die Maske des Dimitrios

  1. dj7o9 schreibt:

    Habe ich vor vielen Jahren gelesen und ich glaube sehr gerne, danke für die Erinnerung an Mr Abmler 😉

    Gefällt 1 Person

  2. SätzeundSchätze schreibt:

    Gunnar Wolters hat das Buch inzwischen auch in der Reihe #MeinKlassiker besprochen – wie ich finde, eine gute Wahl, ist es doch wirklich ein Klassiker des Genres, auch literarisch durchaus anspruchsvoll.

    Gefällt 1 Person

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