Aufbruch – Lutz Seiler: Stern 111

Die Mauer ist gerade erst gefallen, da machen sich Inge und Walter Bischoff auf den Weg in den Westen. Ihr Sohn Carl hat vom Plan der Eltern nichts gewusst, erst viel später wird er zu den Beweggründen seiner Eltern mehr erfahren. Sie tragen ihm auf, zu Hause in Gera die Stellung zu halten. Doch Carl zieht es nach Berlin. Mit dem elterlichen Shiguli macht er sich zunächst ohne deren Wissen auf die Reise, in ein auch für ihn unbekanntes Leben, ohne zu ahnen, was ihn erwartet, noch, was genau er sich eigentlich davon verspricht.

In Berlin landet Carl in der Hausbesetzerszene. Nach einem holprigen Start und nachdem man ihm die Machtverhältnisse verdeutlicht hat und welchen Platz man ihm in der Gruppe, die ihn dann aufnimmt, zugesteht, findet er nur langsam seinen Platz. Carl ist gelernter Maurer, wird also in der „Assel“, der Kneipe, die es in der Oranienburger Straße in Berlin wirklich gegeben hat, zur Mithilfe als Arbeiter angeheuert, während er davon träumt, Dichter zu werden, ohne eine Ahnung zu haben, wie er diesen Traum Wirklichkeit werden lassen kann. Als er dann Effi, seinen Schwarm aus Jugendtagen, wieder trifft und schnell bemerkt, dass er immer noch Gefühle für sie hat, zieht er mit ihr und ihrem Sohn Freddy in ein besetztes Haus. Die Beziehung aber läuft nicht, wie Carl sich das gewünscht hat.

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Schuld und Bewältigung – Franziska Hauser: Die Gewitterschwimmerin

Als Adele ganz zu Anfang des Romans mit fast 80 stirbt, ist ihre Tochter Tamara zunächst erstaunt über den Schmerz, den sie darüber empfindet.

„Ich würde nicht in der Öffentlichkeit heulen, wenn alles in Ordnung wäre. Die Frau muss denken, ich hätte meine Mutter geliebt. Habe ich das?“ S. 8

Als LeserIn erschrickt man hier erst einmal ein wenig – wie kann man nicht um seine Mutter trauern? Sowieso lässt sich diese Tamara auf den ersten Seiten schwer einschätzen: Ihre Sprache derb, gegenüber den Verwandten und Bekannten bei den Trauerfeierlichkeiten schroff und generell sarkastisch. Wieso hat sie also offenbar eine Mauer um sich errichtet?

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Streichquartett – Aja Gabel: Das Ensemble

Jana, Brit, Henry und Daniel sind das Van-Ness-Quartett, ein Streichquartett, das sich Anfang der 90er Jahre formiert und für viele Jahre gemeinsam spielen wird. Zu Beginn sind sie alle noch ihren Zwanzigern, Henry, der Jüngste, spielt die Bratsche und wird seit seiner Kindheit als Wunderkind bezeichnet, da sein Talent das der anderen übersteigt. Immer wieder wird versucht, ihn mit lockenden Angeboten dazu zu bringen, eine Solokarriere zu starten und das Ensemble zu verlassen. Henrys Familie steht hinter ihm, er hatte von klein auf die besten Voraussetzungen. Jana, die 1. Violine des Quartetts, wuchs mit einer alkoholkranken Mutter auf, die sich für ihre Musik eigentlich nicht interessierte. Brit, die 2. Violine, ist schon seit einigen Jahren Waise und daher wie Jana recht auf sich allein gestellt. Cellist Daniel ist einige Jahre älter als die anderen und leidet darunter, dass sie aufgrund ihrer Jugend noch mehr erreichen können als er. Er gibt sich oft unnahbar, ist aber von Selbstzweifeln getrieben.

Autorin Aja Gabel strebte selbst eine Karriere als Cellistin an, entschied sich dann aber für das Schreiben und promovierte in Literatur und Kreativem Schreiben. So ist es ihr möglich, beide Leidenschaften zu verbinden. Sie weiß also, worüber sie in ihrem Debütroman „Das Ensemble“ schreibt.

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Es ist ein stiller Indiebookday, …

… der heute begangen wird. In Berlin haben die Buchhandlungen zumindest zum Teil noch geöffnet, doch fast überall im Land sind sie geschlossen. Ebenso Bibliotheken und Stadtbüchereien. Die Buchbranche leidet, wie viele andere, unter der aktuellen Situation. Dass es zur Zeit keine Alternative gibt, dass wir alle zu Hause bleiben sollten, steht außer Frage. Es sind gerade die kleinen Buchhandlungen und die unabhängigen Verlage, die unter der Situation leiden, deren Existenz schon bald auf dem Spiel stehen könnte.

Eigentlich ist die Idee des Indiebooksdays, in eine möglichst unabhängige Buchhandlung zu gehen, dort ein Buch aus einem unabhängigen Verlag zu kaufen, sich mit dem Buch zu fotografieren und das Bild in den sozialen Medien zu teilen. Das Stöbern im Buchladen fällt dieses Jahr aus, doch viele Buchhandlungen haben Online-Shops, manche liefern auch selbst per Fahrrad aus. Nehmt diese Angebote wahr, unterstützt Eure lokalen Buchhandlungen! Ich habe zur Inspiration ein paar Tipps aus unabhängigen Verlagen zusammengestellt. Diese Bücher habe ich in den letzten Jahren gelesen und gemocht. Per Klick auf das Cover kommt Ihr zu meinen Besprechungen.

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Nur ein Tag – Pedro Mairal: Auf der anderen Seite des Flusses

Der argentinische Schriftsteller Lucas plant einen Tagestrip nach Montevideo. Dort will er die Honorare für zwei Buchverträge abholen und über die Grenze zurück schmuggeln, um sie nicht versteuern zu müssen. Das Geld benötigt er, um in Ruhe an zwei weiteren Büchern schreiben zu können und auch, um seine Schulden bei seiner Frau Catalina zu begleichen. Die Ehe ist schon länger nicht mehr glücklich. Lucas verdächtigt seine Frau, ihm nicht treu zu sein, ist es umgekehrt aber auch nicht.

In Uruguay, „Auf der anderen Seite des Flusses“ hofft Lucas außerdem, Guerra wiederzusehen, eine junge Frau, die er im Jahr zuvor dort kennengelernt hat. Die beiden blieben über Emails in Kontakt und Lucas hofft, endlich mit ihr im Bett zu landen, nachdem er das Geld von der Bank abgeholt hat. Doch sein Tag in Montevideo wird nicht verlaufen, wie geplant.

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