Damals in Neapel – Elena Ferrante: Lästige Liebe

Es dauerte nicht lang bei der Lektüre von „Lästige Liebe“, bis ich die Stimmung wieder spürte, in die Elena Ferrante mich in ihrer Neapolitanischen Tretralogie versetzt hatte. Aufgrund des großen Erfolgs der Saga um Lila und Elena wurde der Debütroman Ferrantes aus dem Jahr 1992 bei Suhrkamp nun in einer neuen Übersetzung herausgegeben.

Allerdings spielt Neapel hier eine kleinere Rolle, ist nicht die zusätzliche heimliche Hauptfigur wie in der Saga, und es ist eher die Atmosphäre des Romans, in die die Autorin den Leser versetzt, die an das größere Werk erinnert. Es gibt also auch hier schon einen Ferrante-Klang, der nur noch nicht so ausgebildet und geschliffen ist.

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Verborgenes Leben – Christoph Hein: Verwirrnis

Friedeward und Wolfgang lernen sich in der Schule kennen, verstehen sich auf Anhieb, werden Freunde und schließlich ein Liebespaar. Ihnen ist schnell klar, dass niemand von ihrer Beziehung wissen darf. Es sind die 50er Jahre, wir befinden uns in einer kleinen katholischen Stadt in Thüringen, und vor allem Friedewards Vater – und Friedewards Geschichte ist dies hier vor allem – lässt keinen Zweifel aufkommen, dass das, bei dem er die beiden eines Tages überrascht, für ihn eine Sünde ist. So tut er denn auch alles, um die beiden voneinander zu trennen, scheut auch vor Drohungen nicht zurück.

Friedewards ältere Geschwister sind schon früh aus dem gefühllosen und gewalttätigen Elternhaus geflohen, sein Bruder hinterlässt nur die Nachricht, er habe sich nach Amerika aufgemacht, die Schwester heiratet einen älteren früh verwitweten Mann und erzieht mit ihm gemeinsam seine kleine Tochter. Nur Friedeward bleibt zunächst übrig, bis er mit Wolfgang zum Studium nach Leipzig geht. Hier trifft er auf ein liberaleres Umfeld, findet Freunde, sie lernen ein lesbisches Paar kennen. Doch Homosexualität ist auch im Umfeld der Universität nicht akzeptiert. Friedeward und Wolfgang bleiben weiter gezwungen, ihre Neigung geheimzuhalten.

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Vergangenes Königreich – Anna Katharina Fröhlich: Rückkehr nach Samthar

„Die geheime Macht eines Ortes! Niemals wird sich eine Antwort auf die rätselhafte Anziehung gewisser Stätten finden, an denen wir uns einbilden, am richtigen Ort angekommen zu sein.“ S. 53

Dass über Anna Katharina Hahns Roman „Rückkehr nach Samthar“, der im Juli im C.H. Beck Verlag erschien, nicht allzu viel im Internet zu finden ist, erstaunt nicht. Sehr speziell ist der Stoff, den die Autorin hier verarbeitet, und vermutlich greift man hier nur zu, wenn man ein besonderes Interesse hat. Ein Interesse an Indien, an einem Indien, das es so eigentlich gar nicht mehr gibt, ein Interesse auch an einem Roman, der eigentlich mehr einer Reisebeschreibung gleicht, der mit einem eher schmalen Plot aufwartet.

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Rätsel in der Vorweihnachtszeit – Jan Brandt: Der magische Adventskalender

Jonas lebt mit seinem Vater und seiner Schwester in Ravenhagen. Er hat sich zurückgezogen, seit seine Mutter nicht mehr da ist. Wo sie ist, wird nicht erwähnt, aber wahrscheinlich ist sie gestorben, ebenso wie die Großmutter. Beide werden von Jonas und Sonja schmerzlich vermisst, während der Vater versucht, seinen Kindern eine geborgene Kindheit zu ermöglichen. Am 1. Dezember findet Jonas vor der Tür einen Adventskalender, der sich als magisch herausstellt: Auf den Türen sind neben den Zahlen Symbole abgebildet, die Jonas Bewohnern von Ravenhagen zuordnen muss, denn nur die richtige Person kann das entsprechende Türchen öffnen, für alle anderen bleiben die Türen fest verschlossen.

Jonas ist nun also gezwungen, sich jeden Tag auf die Suche zu machen nach demjenigen, für den die jeweilige Tür gedacht ist. Und somit muss er auch mit den Bewohnern reden und sich wieder heraustrauen. Ravenhagen ist eine kleine Stadt, in der jeder jeden kennt, und jeder weiß, wer Jonas ist und dass er und seine Schwester ohne Mutter sind. Der Adventskalender bringt Jonas dazu, wieder Kontakt zu anderen zu haben.

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Flüchtigkeit und die Suche nach dem eigenen Weg – Paolo Cognetti: Sofia trägt immer Schwarz

Sofias Eltern sind jung, als sie heiraten, und sie heiraten, weil sie unterwegs ist, was im Umkehrschluss heißt, dass sie womöglich – wahrscheinlich, wenn wir den weiteren Verlauf der Geschichte bedenken – nicht zusammengeblieben wären ohne die Ankündigung des Nachwuchses. Sofia bleibt ein Einzelkind, zerrieben zwischen den Eltern, die von einer Krise in die nächste schlittern, die Mutter von psychischen Problemen geplagt, der Vater hilflos gegenüber den häufigen und extremen Stimmungswechsel seiner Frau.

Sofia ist nicht nur Einzelkind, sondern auch Einzelgängerin, schwer zu fassen auch als Figur in diesem Roman, zumindest einerseits, denn andererseits ist das Bild, dass Paolo Cognetti von ihr zeichnet, klar und deutlich. Es gelingt ihm hervorragend, seine Hauptfigur in ihrer Flüchtigkeit zu charakterisieren. Dabei geht er nicht chronologisch bzw. stringent vor, sondern erzählt episodenhaft aus dem Leben Sofias wie auch aus dem ihrer Eltern, ihrer schwierigen Ehe, so dass immer mehr Facetten hinzukommen, bis das Bild am Ende zwar keineswegs vollständig, aber doch so abgerundet ist, sodass man den schmalen Roman mit zufriedenem Gefühl zuklappt.

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