Memories of the Future – Siri Hustvedt: Damals

„Manchmal ist Erinnerung ein Messer“ S. 58

Eine Frau erinnert sich. Sie ist Schriftstellerin, Anfang 60, sie trägt die Initialen S.H., genau wie die Autorin des vorliegenden Romans, Siri Hustvedt. Und genauso wie Sherlock Holmes, der in diesen Erinnerungen eine kleine Rolle spielen wird. Das Leben der Protagonistin weist so viele Parallelen zum Leben der Autorin auf, dass beide schließlich bei der Lektüre zu einer Person verschwimmen, dass man irgendwann selbstverständlich davon ausgeht, all das Beschriebene sei genauso passiert. Womöglich ist es das nicht, Einiges ist nachweisbar erfunden, zum Beispiel sieht man hinter S.H.s Mann Walter kein Alter Ego von Hustvedts Ehemann Paul Auster. Teils ist es sehr intim, was hier erzählt wird. Siri Hustvedt hätte ein biographisches Buch schreiben können, aber das hat sie nicht getan (Ich verrate in meiner Besprechung etwas mehr vom Inhalt als gewöhnlich, wer nicht zu sehr gespoilert werden möchte, möge hier das Lesen einstellen).

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Herkunft, Heimat und eine zermürbende Wohnungssuche: Jan Brandt: Ein Haus auf dem Land / Eine Wohnung in der Stadt

Ich erinnere mich noch daran, wie ich 2011 mit großer Begeisterung Jan Brandts Debütroman „Gegen die Welt“ las, ein Buch, das es bis auf die Shortlist des Deutschen Buchpreises geschafft hat. Das lag sicher auch daran, dass ich mich vor allem mit seinen Beschreibungen einer westdeutschen Jugend in den 90er Jahren identifizieren konnte: Brandt ist nur wenige Jahre älter als ich und nur ein oder zwei Autostunden nördlich von mir aufgewachsen.

Auch in seinem neuesten Buch, dem bei Dumont erschienenen „Wendebuch“ „Ein Haus auf dem Land / Eine Wohnung in der Stadt“ habe ich mich wieder gefunden. Man kann selbst entscheiden, welches der beiden Bücher, die hier in einem zusammengefasst sind, man zuerst liest, dreht es dann um und kann mit dem zweiten loslegen.

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Roboter mit Gefühl und Moral – Ian McEwan: Maschinen wie ich

Eine Geschichte rund um einen Roboter in Menschengestalt zu erfinden, ist vermutlich alles andere als neu, doch da man so seine Lesepräferenzen hat, ist mir bisher noch kein Roman mit diesem oder einem ähnlichen Plot untergekommen. Da ich aber Ian McEwan zu meinen Lieblingsautoren zähle, von dem ich blind alles lese, was neu herauskommt, habe ich mich auch mit diesem Thema auseinandergesetzt. „Maschinen wie ich“, der neueste Roman des inzwischen fast 71jährigen Briten, beschäftigt sich mit künstlicher Intelligenz.  Es ist ein Android namens Adam, der zu Beginn des Romans der neue Mitbewohner des etwa 30jährige Charlie wird. Von Adams Sorte gibt es nicht viele, und die Evas waren schon aus, als Charlie seine Bestellung aufgab, denn er hätte lieber einen weiblichen Roboter gehabt. Adam muss dann erst einmal konfiguriert und mit Charaktereigenschaften ausgestattet werden, die man ihm quasi einprogrammieren kann.

Dabei hilft Charlie die Studentin Miranda, die seine Nachbarin ist und bald seine Freundin wird. In der Beziehung der beiden gibt es also von Beginn an einen Dritten. Dabei ist Adam weit entfernt von einer Maschine, die einfach nur Befehle entgegennimmt und Adam im Alltag das Leben erleichtert. Im Gegenteil, er behauptet schon bald, Gefühle zu haben und besteht darauf, sich kaum von seinen menschlichen Gefährten zu unterscheiden. In kürzester Zeit häuft er außerdem sehr viel Wissen an, schließlich muss er nicht schlafen, sondern kann nachts das Internet durchforsten und alles abspeichern, was er dort findet.

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Begegnungen in der Nacht – Ali Smith: Im Hotel

Seit der Lektüre von Ali Smiths „Beides sein“ bin ich ein Fan der schottischen Schriftstellerin. Sie hat eine besondere Art zu schreiben, schert sich nicht um Erwartungen und bei ihr geht es immer genauso sehr um die Form wie um den Inhalt, wenn nicht sogar mehr. So üben ihre Bücher immer eine große Faszination auf mich aus, wenn ich auch nicht immer gleichermaßen mit ihnen zurechtkomme.

„Im Hotel“ erschien bereits 2001 und spielt Ende der 90er Jahre in einem schottischen Luxushotel. Vor kurzem verunglücklichte dort eine junge Angestellte tödlich, als sie versuchte, in den Speisenaufzug zu klettern, der ihr Gewicht nicht aushielt. Ihr Geist ist noch nicht bereit, zu gehen und so spukt sie im Hotel herum und erzählt uns, wie sie gewesen ist.

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Ein Sommer der Verluste – William Kent Krueger: Für eine kurze Zeit waren wir glücklich

Der US-amerikanische Schriftsteller William Kent Krueger hat sich bisher mit Krimis einen Namen gemacht. „Für eine kurze Zeit waren wir glücklich“ ist sein erster literarischer Roman. Dieser beinhaltet auch Krimielemente – es gibt mehrere Todesfälle, die teils Rätsel aufgeben -ist thematisch aber viel weiter gefächert und erfüllt alle Ansprüche an einen belletristischen Roman.

Erzählt wird der Roman aus der Sicht des 13-jährigen Frank. Er ist Sohn eines Methodistenpfarrers. Die Familie lebt in der kleinen Stadt New Bremen in Ohio, zu ihr gehören außerdem noch Franks Mutter Ruth, sein 2 Jahre jüngerer Bruder Jake und Ariel, seine ältere Schwester, die bald aufs College gehen wird. Ruth und Ariel kümmern sich in den sonntäglichen Gottesdiensten, die der Vater hält, um die Musik, beide sind sehr musikalisch. Der 11-jährige Jake stottert, sobald er mit Leuten außerhalb der Familie reden soll und schweigt daher meist. Frank ist ein neugieriger Teenager, der sich in seiner Abenteuerlust oft über die Verbote seiner Eltern hinwegsetzt und sich dabei durchaus auch in Gefahr begibt.

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