Erzählungen aus dem letzten Jahrhundert – Tania Blixen: Nordische Nächte

Normalerweise bin ich kein Coverkäufer. Ganz freimachen kann man sich sicher nicht von dem Impuls, in der Buchhandlung nach einem schön gestalteten Buch zu greifen, jedoch reicht ein Cover, das mich anspricht, normalerweise nicht aus, um mich zum Kauf zu verleiten. Das Taschenbuch, das unter dem Titel „Nordische Nächte“ sieben Erzählungen Tania Blixens zusammenstellt allerdings fand ich dann doch so ansprechend, dass ich es mir genauer ansah – es war meine erste literarische Begegnung mit der 1962 verstorbenen Autorin.

Tania Blixen, eigentlich Karen Blixen-Fineke, ist hierzulande hauptsächlich durch ihre Erinnerungen „Jenseits von Afrika“ bekannt, die mit Meryl Streep in der Hauptrolle verfilmt wurden und 1985 in die Kinos kamen. Die vorliegenden Erzählungen entstanden zwischen 1905 und 1957 und wurden lose unter dem Thema Norden zusammengestellt, wobei sich auch eine märchenhafte Erzählung unter ihnen befindet, die in Persien oder Indien spielen soll – das wisse man nicht mehr so genau, so der namenlose Erzähler bzw. die Erzählerin.

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Einsamkeit und Melancholie – Yoko Ogawa: Zärtliche Klagen

Heute ist Indiebookday. Die eigentliche Idee ist, in eine Buchhandlung zu gehen, ein Buch aus einem Indie-Verlag zu kaufen und in den sozialen Netzwerken darüber zu berichten bzw. ein Bild davon zu zeigen. Ich habe diesen Schritt schon hinter mir (allerdings ohne Foto), daher gibt es heute stattdessen eine Besprechung zu einem Roman aus dem unabhängigen Liebeskind Verlag.

Yoko Ogawa ist hierzulande schon recht erfolgreich mit einigen Romanen wie „Das Geheimnis der Eulerschen Formel“ oder „Schwimmen mit Elefanten“. Ich habe den ersten der beiden Romane gelesen und in guter Erinnerung, wenn die Lektüre auch nicht so eindrücklich war wie jetzt diejenige von „Zärtliche Klagen“.

Wobei der Titel eher abschreckend ist und mich zunächst von der Lektüre des Romans absehen ließ. „Zärtliche Klagen“ jedoch ist der Titel eines Klavierstücks von Jean-Philippe Rameau („Les tendres plaintes“), das im Roman eine zentrale Rolle spielt.

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Weinender Mörder – Maurizio de Giovanni: Das Krokodil

das-krokodil-de-giovanni„Das Krokodil“, so nennt die neapolitanische Presse einen Serienkiller, der offenbar weint, wenn er seine Opfer tötet: Am Tatort hinterlässt er tränendurchnässte Taschentücher. So ist die Polizei früh im Besitz der DNA des Täters, mit der sich ohne Überstimmungen in der Datenbank aber wenig anfangen lässt.

Commissario Lojacono wurde von Sizilien nach Neapel strafversetzt, seine Frau will nichts mehr mit ihm zu tun haben, seine Tochter hat er seit Monaten nicht gesehen. In seinem neuen Wirkungskreis hat man ihm schnell klargemacht, dass er eigentlich gar nichts tun soll, sich vor allem nicht in laufende Ermittlungen einmischen und so sitzt er seine Zeit im Büro ab oder plaudert mit seinem Kollegen Giuffrè, mit dem er ein zwar nicht enges, aber doch gutes Verhältnis pflegt.

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MeinKlassiker: Buddenbrooks

Nachdem ich die Serie #MeinKlassiker auf dem wunderbaren Blog Sätze und Schätze schon eine ganze Weile verfolge, durfte ich nun auch dazu beitragen. Mein Text zu meiner Wiederlektüre von Thomas Manns „Buddenbrooks“ ist heute dort zu finden.

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Vom Weg aus einer Krise – Daniel Schreiber: Zuhause. Die Suche nach dem Ort, an dem wir leben wollen

Schreiber_25474_MR.indd„Herauszufinden, wo man zu Hause ist, ist eine der grundlegendsten Auseinandersetzungen, die wir in unserem Leben führen müssen.“ S. 135f

Dieser Satz steht am Ende der Danksagung Daniel Schreibers in seinem Buch „Zuhause. Die Suche nach dem Ort, an dem wir leben wollen.“ Und es gelingt ihm ganz wunderbar, diese Auseinandersetzung zu beschreiben, in einem sehr persönlichen Essay, der stellenweise in seiner Ehrlichkeit und Offenheit sehr berührt und der sehr klug immer auch philosophische Betrachtungen zu dem einflicht, was Heimat und zu Hause sein können, was sie uns bedeuten und warum sie so wichtig für uns sind.

Mit „Heimat“ verbinden wir als erstes ganz selbstverständlich einen Ort, zumeist den, an dem wir aufgewachsen sind, ohne gleich zu bedenken, dass das, was uns so geprägt hat für unser ganzes späteres Leben, eigentlich nicht ein Ort sein kann, sondern immer mit den Menschen dort zu tun hat, mit den Erfahrungen, die wir dort gemacht haben, den Erinnerungen, die uns begleiten. Daniel Schreiber, Jahrgang 1977, wuchs in einem kleinen Dorf in Mecklenburg Vorpommern auf und man verdeutlichte ihm schon früh, dass er sich von anderen unterschied, dass er sich zu feminin benahm, man wollte ihn auf männlich trimmen. Eine linientreue Lehrerin in seinen ersten Schuljahren vermittelte ihm nicht etwa, dass er so, wie er war, in Ordnung war, sondern ermutigte seine Mitschüler im Gegenteil dazu, ihn auszugrenzen. Auch wenn die Kindheit im Elternhaus größtenteils gute Erinnerungen mit sich brachte – abgesehen davon, dass ihm auch hier schon früh und eher diffus bewusst war, dass irgendetwas an ihm anders war – so hat ihn die frühe Erfahrung der Ausgrenzung und des „Nichtkonformseins“ doch sehr für das spätere Leben geprägt und auch für sein Verhältnis zu diesem Ort, an dem er seine Wurzeln hat.

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