Zwei Schwestern – Liz Moore: Long Bright River

Michaela, Anfang 30 und von allen nur „Mick“ oder „Mickey“ genannt, ist Streifenpolizistin in Philadelphia. Längst hätte sie die Prüfung zum Detective machen können, doch es gibt einen Grund, dass sie das nicht getan hat: Ihre Schwester Kacey, die als Drogensüchtige und Prostituierte auf der Straße lebt, und die Mick durch ihren Job im Auge behalten kann. Die beiden haben seit fünf Jahren nicht mehr miteinander geredet, doch Mickey fühlt sich verantwortlich und macht sich Sorgen um die jüngere Schwester, die sie, das kommt noch hinzu, nun schon seit längerer Zeit nicht mehr gesehen hat. Mickey weiß, das kann das Schlimmste bedeuten.

Mickey und Kacey hatten keinen guten Start ins Leben: Ihre Mutter, selbst drogenabhängig, starb, als die beiden noch sehr klein waren. Sie wuchsen bei ihrer Großmutter Gee auf, die sie immer spüren ließ, dass die beiden Mädchen eine Belastung für sie waren und die mit ihnen eigentlich überfordert war. Kacey geriet früh auf die schiefe Bahn, während Mickey versuchte, alles anders und richtig zu machen, doch auch sie traf falsche Entscheidungen.

Weiterlesen

Veröffentlicht unter Roman | Verschlagwortet mit , , , | Kommentar hinterlassen

Livingstone kehrt heim – Petina Gappah: Aus der Dunkelheit strahlendes Licht

Der schottische Missionar David Livingstone, der sich im 19. Jahrhundert in Afrika der Erforschung der Nilquellen verschrieben hatte, starb im Jahr 1873 auf ebendieser Suche und nachdem er ein Massaker miterlebt hatte, das ihn sehr erschütterte. Livingstone hatte eine treue Gefolgschaft und diese beschloss nach dessen Tod, den Leichnam Livingstones „heimzubringen“, das heißt einmal quer durch Afrika, an die Ostküste, wo er von seinen Landsmännern in Empfang genommen werden und auf seine letzte Reise gebracht werden sollte. Seine sterblichen Überreste liegen heute in Westminster Abbey.

Doch nur zum Teil, denn sein Herz begraben Livingstones Anhänger zu Beginn von Petina Gappahs Roman „Aus der Dunkelheit strahlendes Licht“ gleich an Ort und Stelle. Die Köchin Halima hat die Idee, die Leiche dann erstmal zu trocknen und so zu konservieren, damit es überhaupt möglich ist, mit ihr die monatelange Reise anzutreten. Halima ist auch eine von zwei Erzählstimmen im Roman, eine resolute, selbstbewusste Frau, die redet, wie ihr der Schnabel gewachsen ist und die zu allem und vor allem jedem eine dezidierte Meinung hat.

Weiterlesen

Veröffentlicht unter Roman | Verschlagwortet mit , , , , , | Kommentar hinterlassen

Die Leere füllen – R. O. Kwon: Die Brandstifter

Beide Hauptfiguren im gelungenen Debütroman „Die Brandstifter“ von R. O. Kwon sind Verlorene, Einsame, die ihren Platz suchen an der amerikanischen Eliteuniversität, an der sie sich begegnen. Phoebe, gebürtige Südkoreanerin, die eine schwere Last mit sich herumschleppt. Ihre Mutter starb bei einem Unfall, für den sie sich die Schuld gibt. Zu ihrem Vater hat sie kaum Kontakt. Will dagegen kommt aus einfachen Verhältnissen und kann finanziell mit seinen Mitstudenten nicht mithalten. Er jobbt als Kellner und versucht, seine Lage vor den anderen geheimzuhalten. Auch Phoebe lügt er an. Das wird zu Schwierigkeiten führen.

Dennoch werden die beiden ein Paar. Unterschiedlich wie sie sind, finden sie sich trotzdem schnell, da sie sich von den anderen unterscheiden. Die beiden bilden eine Einheit, fühlen sich gemeinsam stark, aber ihn fehlt auch etwas. Sie finden verschiedene Wege, ihre Leere zu füllen.

Weiterlesen

Veröffentlicht unter Roman | Verschlagwortet mit , , , , , | Kommentar hinterlassen

Gelebte Melancholie – Jon Fosse: Der andere Name

Jon Fosses „Der andere Name“ war meine erste Begegnung mit dem Werk des Autors, der vor allem in Norwegen, aber auch bei uns bekannt ist für seinen reduzierten Stil. Zum Norwegen-Schwerpunkt der Frankfurter Buchmesse im letzten Jahr brachte der Rowohlt Verlag mit „Der andere Name“ die ersten beiden Teile einer Heptalogie heraus.

Ich gestehe, dass Fosses Art zu erzählen mit nicht sofort zugeflogen ist und ich mich immer wieder schwer tat mit dem Buch, obwohl ich andererseits von vornherein wusste, dass das sehr gut ist, was ich da lese und auch, dass „Der andere Name“ ein Werk nach meinen Vorlieben ist. Ein stiller Roman, der von seiner besonderen Sprache bzw. seinem Stil lebt, der seinen Leserinnen und Lesern Raum lässt, um Unscharfes ganz individuell zu verstehen. Dabei ist der Roman alles andere als schwer lesbar, obwohl Fosse keinen einzigen Punkt setzt und „Der andere Name“ im Prinzip aus einem einzigen Satz besteht (wobei es in der wörtlichen Rede Fragezeichen gibt, die kleine Zäsuren darstellen).

Weiterlesen

Veröffentlicht unter Roman | Verschlagwortet mit , , , , , | 7 Kommentare

Vier Töchter und ein verlorener Enkel – Claire Lombardo: Der größte Spaß, den wir je hatten

Der größte Spaß, das sind vielleicht die Kinder, die vier Töchter Davids und Marilyns. Aber vielleicht auch nicht, vielleicht sind sie füreinander doch selbst der größte Spaß, denn David und Marilyn führen eine glückliche Ehe, sind seit fast 40 Jahren verheiratet und lieben sich immer noch sehr. Dass es auch in ihrer Beziehung schwierige Zeiten gab, ihre Ehe nicht perfekt ist, das scheint außer ihnen niemand zu bemerken oder zumindest nicht gravierend zu finden.

Da ist zunächst einmal die Älteste, Wendy, ungeplant kam sie zur Welt, als David und Marilyn noch nicht lang verheiratet waren, und kurz darauf wurde Marilyn bereits mit Violet schwanger. Wendy und Violet sind im gleichen Jahr geboren. Charakterlich verschieden, doch sie sind sehr eng, fast wie Zwillinge aufgewachsen. Mit einigem Abstand kam dann Liza und dann noch einmal nach einigen Jahren die Jüngste, Grace, das einzige Wunschkind.

Weiterlesen

Veröffentlicht unter Roman | Verschlagwortet mit , , , , | 8 Kommentare